Sonntag, 8. März 2026

Handwerkstechnik, die begeistert

Weil ich mir wohl in der letzten Zeit die Wiederbelebung der Obermühle in Niederurff in Hessen und alles was darum herum notwendig ist, um ein altes Gebäude wieder in Schuss zu bringen, angesehen habe, wurde mir durch den Algorithmus von YouTube ein Film aus den frühen 1960er Jahren zu schauen in der Liste angezeigt.

Es ging in diesem Film des LVR (Alltagskulturen im Rheinland) um das Fällen einer Eiche im Hunsrück um daraus eine Achse zur Aufnahme eines Wasserrads einer Mühle herzustellen. 

Eiche wird aus dem Wald in die Mühle geholt

Im ersten Teil wurden unter heute nicht mehr vorstellbaren Bedingungen im Wald eine über 200 Jahre alte Eiche ausgesucht, gefällt und zu Tal auf das Mühlengelände gebracht. Es wäre heute undenkbar, diese Fällarbeiten mit der Axt und der Handzugsäge durchzuführen. Auch die "Verpflegung" ist wohl der Zeit geschuldet, da ein Schnapskrug immer wieder die Runde macht, die Kaltblut-Pferde mit der Peitsche  zu Höchstleistung gebracht wurden und und der ein oder andere Arbeiter nur durch eine Sprung zu Seite zum richtigen Zeitpunkt nicht zu schaden kam. Noch abenteuerlicher war der Transport des über 400 cm langen und bestimmt 60/70 cm dicken Stamms, bei dem eine Karre unter der Last der dicken Eiche zusammenbrach und man eine andere Lösung fand.

Was mich aber als Hobbyholzwerker, den ich nun mal bin, am meisten fasziniert hat, war das Herrichten des dicken Stammes per Handwerkszeug und abenteuerlichen Drechsel-Konstruktion zu der runden Achse für das Mühlrad rund zu drehen. 

Es ist zwar nicht erkennbar, wie viel Zeit die Zimmerleute und der Müller für das Drehen der Mühlenachse gebraucht haben, aber es hat mich fasziniert, was alles geht, wenn man weiß, wie es geht - und unsere Vorfahren wussten, wie was geht.

Da ich schon einmal im Technikmuseum Mannheim, an einer Drechselbank die mit Fußkraft angetrieben wurde, mein Glück versuchte habe, war mir eine alte Technik bekannt, aber in der Größenordnung dieser Mühlenradachse, das war schon bemerkenswert, dass viel Mann mit langen Hebeln im Gleichklang dieses gewaltige Holz bewegt haben.

Drechselversuche in Mannheim

Leider gehen immer mehr Handwerkstechniken und Handarbeit verloren, weil wir sie nicht von den Ahnen gelernt haben und natürlich auch nicht weitergeben können. Auch wenn manches mit Maschine flott von der Hand geht, muss man sich vielleicht das ein oder andere Mal zurückbesinnen, dass es auch ohne "Strom" geht, wenn man weiß wie - es dauert halt was länger.